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Veröffentlicht von Shunimasu

Die erste Staffel der für einen Golden Globe nominierte US Hit-Serie "SMASH" lief an den vergangenen vier Abenden bei RTL2 und bescherte dem Sender einen herben Quotensalat. Wie kam es dazu und wird die Serie ihrem Titel gerecht?

Kurz und knapp: Teilweise schon, teilweise nicht. Außerdem eignet sich diese Art von Serie nicht für eine Eventprogrammierung. Die Gründe dafür möchte ich im Folgenden erörtern.

Die Nebencharaktere waren teilweise gut besetzt, doch Uma Thurman in der Rolle der Rebecca Duvall war eine glatte Fehlbesetzung. Sie hat nicht bloß durch ihr überzogen dramaturgisches Auftreten so manche Szene ruiniert, sondern auch durch ihre grauenvolle Gesangsakrobatik manche Songs bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt.

Ebenfalls als sehr negativ aufgefallen ist der allseits unbeliebte Ellis (portraitiert von Jaime Cepero), der nichts Besseres zu tun hatte, als eine Schauspielerin zu vergiften oder ein Notizheft zu entwenden, um aus seiner Idee Kapital zu schlagen. Noch nie war "Machtgier" so unattraktiv. Doch glücklicherweise müssen wir uns diese Person keine weitere Staffel ansehen, da Ellis nicht bloß von Eileen entlassen, sondern auch aus der Show geschrieben wurde.

Die Hauptcharaktere waren allesamt sehr authentisch und haben die Story gut transportiert. Ich empfand vorallem die "dramatischen" Momente als ausgezeichnet, seien es die Reibereien zwischen Ivy und Karen oder den Beziehungsproblemen von Julia, Tom oder den beiden Marylin-Anwärterinnen. Auf dieser Ebene hat die Serie gut funktioniert, war nie sonderlich träge oder langatmig und hat immer gewusst zu begeistern. Auch die gesanglichen Leistungen der Hauptcharaktere waren zu jeder Sekunde SPOT ON und zweifelsfrei grandios.

Leider trifft dies nur bedingt auf den Musical Anteil der Show zu, der ja eigentlich den Hauptbestandteil von "SMASH" ausmachen soll. Die Songs wurden teilweise nur kurz angeschnitten (bis auf wenige Ausnahmen, die ich allerdings nicht wirklich passend fand, beispielsweise "Touch me" aus der Folge "Das Experiment" - was auch sicherlich so gedacht war, da es ja zu heißen, teaminternen Diskussionen und großem Entsetzen führte) und nicht immer im bestmöglichen Licht präsentiert. Sicherlich war alles sehr glamourös verpackt, aber nicht immer ganz passend. Es fehlte oftmals der Flair der echten Marylin Monroe, wie man sie kannte, erlebte und in den Filmen noch heute sieht. Die einzigen Momente, in denen die Show das Gefühl erweckte, man habe eine echte Marylin vor sich, sind an der Hand abzuzählen ("Happy Birthday, Mr. President" und der Originalsong "Don't Forget Me", den Marylin sicherlich gemocht hätte) und selbst der Versuch, eine moderne Marylin zu erschaffen wiederstrebt sich mir in nur jeglicher Art und Weise. Wieso Marylin klonen, wieso Marylin modernisieren, wenn sie noch heute als Ikone gilt? Wieso kann man sie nicht so lassen, wie sie war?

Hinzu kommt, dass ich nur bei den ersten Folgen eine Erwähnung der echten Marylin erkennen konnte, sei es durch Filmausschnitte oder Diskussionen mit Filmzitaten. Gegen später rückten die wirklich guten, dramatischen Ereignisse der Charaktere in den Vordergrund, was sicherlich auch zur Serie dazugehörte, aber dadurch ging dann mit der Zeit doch etwas der Musical-Flair verloren und Marylin war quasi nicht mehr präsent. Dies war vielleicht auch der Grund, warum die Show an manchen Stellen nicht ganz überzeugend und eher träge vorangeschritten ist, sich Szenarien wiederholt haben und die Story vor sich hin plätscherte. Dabei hätte man daraus etwas wirklich Großartiges zaubern können, wenn diese ganzen Fehler nicht passiert wären. Aber gut, gegen Ende konnte man dann doch erkennen, dass Marylin weiter lebt, ob nun als Ikone oder als Musical Darstellerin, die unter anderem Namen lebt, aber durch ihr Privatleben die Gefühle der Marylin bestmöglichst transportieren kann. Allein für den letzten Song und die glanzvolle Inszenierung verdient die Serie einen Oscar.

Zusammenfassung der Pros:

+ gute Originalsongs

+ super Hauptcharaktere

+ teils passable Nebenrollen

+ spannende, dramatische Handlungen

+ das Einbinden von Marylin zu Beginn der Serie

+ das glanzvolle Ende

Zusammenfassung der Cons:

- zu kurze Songausschnitte, wodurch kaum Zeit bleibt, den Stücken die entsprechende Aufmerksamkeit zu schenken

- die teilweise wirklich schräge deutsche Übersetzung und Synchronisation

- der Versuch, Marylin zu modernisieren - eine Ikone braucht keinen modernen Touch, deswegen ist sie ja eine Ikone

- Uma Thurman und andere Nebenrollen wie Ellis, die die Story eher behinderten anstatt sie voranzutreiben

- das "sich im Kreis drehen" der Show, als es darum geht, wer Marylin spielen soll - die Rolle wird immer auf den letzten Drücker neu besetzt und zu einem gewissen Punkt ist dies leicht unrealistisch, da zu extrem

- langatmige, altbackene Szenarien

- Coversongs, die nicht wirklich den angestrebten Flair wiedergeben konnten

Fazit: 60% für die erste Staffel, macht 6 / 10 Punkten. Da ist definitiv noch eine Menge Luft nach oben und ich bin gespannt, wie es weiter geht.

Da die Quoten immer tiefer gesunken sind, wird RTL2 mit Sicherheit die zweite Staffel nicht ausstrahlen, zumindest nicht in einer Eventprogrammierung. Ich denke sowieso, dass solch eine Programmierung für eine Musicalserie nicht angebracht ist. Eine solche Serie benötigt Zeit, die ihr ein anderer Sender hoffentlich einräumt. An der Stelle wäre es besser gewesen, eine Folge pro Woche zu zeigen, da man sonst nach 4 Folgen erst mal genug vom Gesang hat. Sowas erträgt man nicht jeden Tag.

"SMASH" Staffel 01 Review
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